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Der Einsatz von Weblogs in den Bildungswissenschaften

Weblogs sind in aller Munde – bekannt sind sie vielen als private Online-Tagebücher, als (quasi-)journalistische Publikation oder Instrument der Unternehmenskommunikaton (vgl. Schmidt, 2006, S.13).

Auch in den Bildungswissenschaften hat das neue Format Interesse geweckt.Besonders attraktiv sind dabei die zahlreichen Funktionen und Einsatzmöglichkeiten von Blogs, die einen selbstgesteuerten, eigenverantwortlichen und kooperativen Lernprozess unterstützen (vgl. Schmidt & Mayer, 2006, S.3). So ermöglichen Blogs dem Nutzer, sich selbst zu repräsentieren und seine Gedanken auszudrücken (Identitätsmanagement). Außerdem kann der Nutzer Informationen abspeichern und digital im Netz verfübgaren Informationen verknüpfen (Informationsmanagements). Schließlich unterstützen Blogs den Nutzer auch dabei, soziale Netzwerke aufzubauen und sich mit anderen austzutauschen (Beziehungsmanagement).

In diesem Zusammenhang beschreiben Bastiaens, Schrader und Deimann (2010, S.56ff.) in Anlehnung an Röll (2005) fünf Einsatzsmöglichkeiten von Weblogs in den Bildungswissenschaften, die sich auf einem Kontinuum zwischen einem eher lehrerzentrierten, formellen (1-3) und einem eher lernerzentrierten, informellen (4-5) Lehr-Lernszenario bewegen:

1) Weblogs als Content-Management-Systeme: Lehrer stellen lehrveranstaltungsrelevante Informationen auf einem Weblog bereit, die von den Lernenden heruntergeladen werden können. Über eine Kommentarfunktion können die Lernenden Rückfragen stellen (vgl.Abb.1).

Abb.1: Nutzung von Weblogs als Content-Management-System in der Lehre (Bastiaens et al., 2009, S. 53 in Anlehnung an Röll, 2005, S.10)

2) Weblogs als inhaltsorientierte Unterstützung der Lehre: Lehrende und Lernende nutzen einen gemeinsamen Weblog begleitend zur Lehrveranstaltung, pflegen dort Lehrinhalte ein und geben Feedback. Röll (2005, entnommen aus Bastiaens et al 2011, S.53) merkt dazu kritisch an, dass dieser Einsatz nur bei kleinen Seminargruppen geeignet ist, da die Anzahl der Blogbeiträge sonst unüberschaubar wird (vgl.Abb.2)

 

 

 

 

 

 

Abb.2: Nutzung von Weblogs als inhaltsorientierte Unterstützung in der Lehre (Bastiaens et al. 2009, S.54 in Anlehnung an Röll, 2005, S. 12)

3) Nutzung von zusätzlichen Weblogs als inhaltsorientierte und diskursorientierte Unterstützng in der Lehre: Neben dem “Hauptweblog” des Lehrers als Conten-Management-System führen Lernende jeweils einen individuellen Blog, auf dem sie Aufgaben bearbeiten. Beide Seiten können sich gegenseitig Feedback geben. Hier wirft Röll (2005, entnommen aus Bastiaens et al 2011, S.54) ein, dass die Präsentation von Lerninhalten durch Lernende und der öffentliche Charakter des Blogs ein Leistungsdruck schaffen kann, der sich negativ auf den Lernprozess auswirke. In diesem Zusammenhang sei besonders auf Aspekte der Privatssphäre zu achten (vgl.Abb.3).

 

 

 

 

 

 

Abb.3: Nutzung von zusätzlichen Lernenden-Weblogs als inhaltsorientierte und diskursorientierte Unterstützung in der Lehre (Bastiaens et al., 2009, S. 55 in Anlehnung an Röll, 2005, S. 12)

4) Nutzung von Gruppen-Weblogs als inhaltsorientierte und diskursorientierte Unterstützng: Mehrere Lernende nutzen zusammen einen gemeinsamen Blog als Informationsspeicher und Diskursmedium. Der Blog dient also als kollaboratives Lernwerkzeug, mit dem die Lernenden ihre Arbeitsschritte dokumentieren und ihren Entwicklungsstand sowie den gesamten Gruppenprozess reflektieren können (vgl.Abb.4).

 

 

 

 

 

 

Abb.4: Nutzung von Gruppen-Weblogs als inhaltsorientierte und diskursorientierte Unterstützung in der Lehre (Bastiaens et al., 2009, S. 56)

5) Nutzung von Weblogs als individuelle Lernjournale: Jeder Lernende führt einen eigenen Weblog, auf dem er lehrrelevante erarbeitete Inhalte abspeichert und reflektiert. Dadurch werden alle der oben genannten Funktionen einens Weblogs für einen eigenverantwortlichen und selbstgesteuerten Lernprozess verknüpft: Der Lernende kann Inhalte abspeichern (Weblog als Informationsmedium), neues Wissen aufbauen, verknüpfen und seinen Lernprozess überpfüfen (Weblog alsReflexionsmedium zur Sach- und Lernprozessreflexion) sowie mit anderen in Austausch treten (Weblog als Diskursmedium) (vgl.Abb.5).

 

 

 

 

 

 

Abb.5: Nutzung von Weblogs als individuelle Lernjournale (Bastiaens et al., 2009, S.57).

Folgende Übersicht fasst den Einsatz von Weblogs in den Bildungswissenschaften nochmals zusammen (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

 

Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit dem Einsatz von Weblogs im bildungswissenschaftlichen Bereich?

Literatur:

Bastiaens, T.J., Schrader, C. & Deimann, M. (2010). Lehren und Lernen in der
Wissensgesellschaft. Hagen: FernUniversität in Hagen (Kursnr. 33080).

Röll, Martin (2005). Corporate E-Learning mit Weblogs und RSS. In Andreas Hohenstein & Karl Wilbers (Hrsg.), Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. Loseblattsammlung, Köln: Dt. Wirtschaftsdienst, Beitrag 5.11.

Schmidt, J. (2006). Weblogs – eine kommunikationssoziologische Studie. Konstaz: UvK Gesellschaft.

Schmidt, Jan & Mayer, Florian (2006), Wer nutzt Weblogs für kollaborative Lern- und Wissensprozesse? Ergebnisse der Befragung ‚Wie ich blogge 2005’, Berichte der Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien“ Nr. 06-02, Universität Bamberg. Online abrufbar unter http://www.kowi.uni-bamberg.de/fonk/pdf/fonkbericht0602.pdf [letzter Zugriff am 25.05.11]

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