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Kinotipp: Herr Zingg motiviert – Alltag in einer Integrationsklasse

Herr Zingg und die Flüchtlinge Herr Zingg und seine Schüler machen einen Ausflug in die Berge , vorne links Nazlije, vorne rechts Ehsanullah. (Foto: RiseandShine)

Das Thema „Flüchtlinge“ ist in aller Munde. Doch die wenigsten wissen etwas über die Umstände unter denen die Menschen nach Europa kommen und welche schwierige Zeit sie auch hier erwartet. Anna Thommen zeigt in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Neuland“, welche Schicksale die jungen Flüchtlinge aus Ländern wie Eritrea, Afghanistan oder Albanien haben und begleitet sie in ihrer Schulzeit in der Integrationsklasse in Basel. Für Lehrer, die den Film in der Schule zeigen wollen, steht Unterrichtsmaterial zur Verfügung.
Christian Zingg ist Lehrer in einer Integrationsklasse. Obgleich ihm bewusst ist, dass seine Schützlinge keine Chance haben, sofort in den Arbeitsmarkt einzusteigen, macht er ihnen immer wieder Hoffnungen. Er ist überzeugt davon, dass der Weg in ein besseres Leben zu schaffen ist, trotz aller Hürden. Zu seinen Schülern gehört der 19-jährige Ehsanullah, der aus Afghanistan zu Fuß über die Berge und im Schlauchboot über das Meer geflohen ist. Zwei weitere Teilnehmer der Integrationsklasse sind die Geschwister Nazljie und Ismail aus Albanien. Nachdem ihre Mutter gestorben war, sind sie bei ihrem Vater und seiner neuen Frau untergekommen. Herr Zingg will ihnen den Glauben an eine glückliche Zukunft vermitteln.
„Neuland“ ist ein sensibler Film, der unaufgeregt die Dramatik der Einzelschicksale schildert. Es geht um Verlust des Eigenen und die Sehnsucht nach Zuhause, aber auch um Mut und Neuanfang in dieser Welt, die für die einen zum globalen Dorf geworden ist und für die anderen aus unüberwindbaren Grenzen besteht. Die Flüchtlinge, die die weite Reise hinter sich gebracht haben, haben es zunächst geschafft und stehen am Ende einer Etappe. Doch der Langstreckenlauf, der sie erwartet, ist hart und steinig.

Ehsanullah zitiert gern ein afghanisches Gedicht über sein Vaterland. „Geliebte Heimat, stehe auf und sei wieder mein“, lautet eine Zeile. Das Heimweh ist groß, er ruft häufig seine Familie an, die in Afghanistan geblieben ist. Dann fragt er nach dem Leben Zuhause und ob der Maulbeerbaum schon blühe. Diese Familie ist es, der Ehsanullah seine erfolgreiche Flucht verdankt. Er muss ihr 6000 Dollar zurückzahlen, die er für die Reise in die Schweiz geliehen hatte. In einer Szene erzählt er seinem Lehrer, dass er die Schule nicht weiter besuchen könne, sondern einen Job benötige. Wenn er seiner Familie das Geld nicht zurückzahle, verliere sie ihr Land. Da ist sogar der wortgewandte, optimistische Herr Zingg erst einmal ratlos und kann nur noch fluchen.
Ismail und Nazljie ergeht es in ihren Anfängen der Schweiz etwas besser. Dennoch sind sie eingeschüchtert und entmutigt. Herr Zingg versucht immer wieder, sie zu animieren. Dabei schreckt er nicht vor ungewöhnlichen Vergleichen zurück und macht das Thema Fußball zum Motivator für das eigene Leben. Geschickt nutzt er das Spiel FC Basel gegen Manchester United aus. Die Mannschaften hatten trotz ihrer ungleichen Größe und Mittel unentschieden gespielt. „Warum?“ fragt Zingg seine Schützlinge, „Weil sie an sich geglaubt haben!“ Wer an sich glaubt, der kann es schaffen. Davon ist der engagierte Lehrer überzeugt und diese Einstellung will er seinen Schülern vermitteln.
„Neuland“ überzeugt mit den Persönlichkeiten der Protagonisten. Regisseurin Anna Thommen ist ein Film gelungen, der dem Thema angemessen empathisch und ernst ist, aber immer wieder Optimismus ausstrahlt. Lehrer Christian Zingg steht mit seiner professionellen, aber liebevollen Art im Mittelpunkt und ist für die Schüler ein Fels in der Brandung. Er bleibt dran, fragt immer wieder nach, wie fortgeschritten die Bewerbungen der Schüler sind. Manchmal muss er auch bremsen. In einer bewegenden Szene nimmt Zingg Nazlije ihren Traum, Grundschullehrerin zu werden, indem er ihr direkt sagt, dass sie noch keine ausreichende Bildung dafür hat. Er ist zwar Motivator, aber eben auch Realist. Schließlich gibt es für manche doch so etwas wie ein Happy End. Ismail findet Arbeit auf einer Baustelle, Nazljie einen Ausbildungsplatz als Altenpflegerin.

Unterrichtsmaterialien zum Film bekommen Sie hier: Klick

Mehr Informationen unter Neuland-Film

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