News Ticker

Streiks in Deutschland – Aus Sicht einer Schülerin

Streik

Der erneute Streik der deutschen Bahn in Deutschland ist doch einerseits nur anstrengend: Eine ganze Woche lang können wir die S-Bahn nicht nutzen. Wir oder unsere Eltern zahlen für das Monatsticket, die Bahn fährt nicht und wir müssen uns mit den Folgen herumschlagen.

Manche können auf einen Bus umsteigen, für mich und andere bedeutet der Streik: Egal, wann die Schule anfängt, wir müssen uns vor Arbeitsbeginn von unseren Eltern bei der Schule vorbeifahren und raussetzen lassen. Der Weg zurück ist ein ebenso großer Krampf.
Verspätungen aufgrund des Streiks werden von vielen Lehrern zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht entschuldigt. Uns fehlt es an Zeit, das Geld für unsere Tickets wurde sinnlos ausgegeben und wir verpassen teils Stunden in der Schule – oder schaffen es anschließend nicht zu Verabredungen, Sporttraining oder anderen Hobbys. Erwachsene können oft auf Autos umsteigen, für unsere Eltern ist der Streik der Bahnfahrer eine extreme Zusatzbelastung.

Wir verstehen, dass die Bahnfahrer gerne ein höheres Gehalt hätten und große Konzerne wie die Deutsche Bahn dazu von Zeit zu Zeit genötigt werden müssen. Auch gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, wie etwa Frankreich, deutlich weniger Streiks. Gerade deshalb fällt der einwöchige Streik der Bahn hier auch spürbar so ins Gewicht.

Schade eigentlich, das mit den Unterschieden zwischen Frankreich und Deutschland. Dort, in Frankreich, dürfen auch die Lehrer streiken. Und das tun sie – sogar regelmäßig. Wäre das nicht viel stressfreier und fairer, wenn Lehrer in Deutschland auch dieses Recht hätten? Warum dürfen nur ausgewählte Berufsgruppen streiken? Nicht die Lehrer, die doch oftmals viel extremer unterbezahlt sind – genauso wie Erzieher?

Wär es nicht ein schöner Kompromiss, wenn schon das Recht auf Streik an bestimmte Berufsgruppen vergeben wird, dieses Recht dann auch allen zuzugestehen? Dann könnten sich auch beide Berufsgruppen absprechen. Eine Woche Streik für die Bahn, eine Woche Streik für die Lehrer, eine Woche Freizeit für uns.

So stehen wir sprichwörtlich zwischen den Stühlen: Wir müssen rechtzeitig in der Schule sein, wir kommen aber nicht hin. Thematisiert in den Medien werden nur die wirtschaftlichen Auswirkungen des Streiks, die ebenfalls dramatisch sind. Warum wird nicht über die Auswirkungen auf die Bildung debattiert? Viele Schüler fehlen im Unterricht, weil sie nicht hinkommen. Weil ihre Eltern keine Zeit haben, sie morgens zur Schule zu fahren. Weil ihre Eltern vielleicht kein eigenes Auto besitzen.

Ich muss täglich eine Stunde früher aufstehen als normal, mich schnell duschen und schminken, sitze verschlafen am Frühstückstisch, habe noch keinen Hunger, und verbringe dann eine Ewigkeit unkonzentriert in der Schule.

Wer ein Streikrecht für die Bahnfahrer befürwortet, muss dies schlichtweg auch anderen Berufsgruppen zugestehen. Die Frage ist jedoch: Wo kommen wir hin, wenn jeder streikt? Wenn jeder streiken darf, wie und wie lange er will? Blockieren wir uns dann nicht letztlich abwechselnd alle gegenseitig, wie uns die Gewerkschaft der Deutschen Bahn?

Kann es nicht schnellere Lösungen geben? Die Politik und Wirtschaft könnten und sollten sich eher zusammensetzen und über Probleme wie ungleiche Lohnentwicklung debattieren. Das Ganze Geld, das nun auch dem Staat über fehlende Steuereinnahmen bei zurückgehender Wirtschaftsleistung entgeht, hätte schließlich etwa auch den Bahnfahrern zu Gute kommen können

Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



7 + = dreizehn